Goldschmiedeforum
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Mokume Au-Pd-Ag Schweißtemperatur

 
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schmuckburg
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schmuckburg

 ·  #16
Halli-Hallo!

Da bin ich auch! 8) In letzter Zeit schaffe ich es so selten hierher, daß ich schon angeschrieben werden muss, wenn es um mein Lieblingsthema geht - danke, Gabiel!

Du bist schon so auf dem richtigen Weg. Ich hab Mokumé auch mit meinen VHS-SChülern udn Trauringkunden gemacht. Klar konnte ich da immer im richtigen Moment "Stop"schreien. Aber mit viel Mut und nochmehr Geduld ist es möglich.

Zuallererst die Schmelzintervalle und die Ofentemperatur. Oder eben in der Flamme...
Du schaust du dir das Schmelzintervall vom Gold und vom Silber an. Das Palladium bleibt tatsächlich unbeachtet, da es so einen hohen Schmelzpunkt hat.


Mokumé-Blöcke verbinden sich, indem die Metalle (oder eben nur die "verbindenden" Schichten) auf den Anfangsbereich des Schmelzintevalls erhitzt werden. Dabei sind sie eigentlich schon (fast) flüssig, behalten aber ihre Blechform. (was man merkt, wenn so ein Block schief steht und nicht fest eingepackt ist - dann kann er schon mal an der tieferen Seite dicker werden :roll: )

Wenn du die Schichtung so aufbaust, wie du geschrieben hast, muss das Gold und das Silber gleichzeitig die Verbindung bilden können, ohne unkontrolliert davon zu fließen. Also schaue ich mir die untersten Grenzen der Schmelzintervalle an: Gold 870°C, Silber 820°C

Nimm übrigens immer die Werte, die die Scheideanstalt sagt! Das weicht manchmal ganz schön voneinander ab.

Und dann schaue ich, ob beim höheren Wert das andere Metall schon flüssig ist: Also bei 870°C (Gold) ist das Silber noch innerhalb des Schmelzintervalls (820-910°C)
Diese Metallkombination verschweiße ich auch in einem Schritt.

Wie hoch du nun den Ofen einstellen musst und die Zeit kann ich dir nicht sagen, da ich ja völlig anders arbeite. :D

Bei Kombinationen, bei denen ich sehr unterschiedliche Schmelzintervalle habe, aber nicht überall Silber dazwischen haben will, arbeite ich in zwei Schritten: Also zB erst das Palladium mit dem Silber verschweißen verschweißen, dann die 585 Goldschicht hinzufügen.

Aber das Kupfer + Messing Problem kann ich dir erklären.
Messing ist ja eine Kupferlegierung: Schmelzpunkt irgendwo zwischen 900 und 1070°C, je nach Legierung.
UND es enthält Zink! Und Zink macht beim Erhitzen ganz fürchterlich komische Sachen. ZB habe ich es in der Ausbildung verflucht, weil es gerne beim Löten mit Silberlot dahinschmilzt. Fressen nennt man das, aber im Prinzip legiert da auch nur etwas...
Das Zink kann aber auch verdampfen, wenn du das Messing zu heiß machst. Dann wird das ganze auch gerne brüchig.

Für Mokumé ist das Tombak viel besser geeignet, sowohl weil es weniger Zink enthält und damit weicher ist (besser verformbar) aber auch weil die Farbe schöner ist!

Aber selbst mir Tombak/Kupfer würde ich Silber als Verbindungsschicht wählen.

Oder zum Üben immer Kupfer/Silber! Beide Metalle verbinden sich hervorragend und sind ähnlich verformbar. Damit arbeitet es sich leicht. Immer wieder schön, schade, da es für Trauringe nicht so passend ist.

Und damit kommen wir zum 500 Palladium. Es ist ein bisschen "zickig" in meinen Augen. Klappt die Verbindung im Block ist alles erst mal fein.
Aber oft ist sie nicht perfekt und kann dann auch nach ganz schöner Verformung (manchmal erst beim Verdrehen) zeigen, daß eine Schichtspalte "lose" ist.
Dann hilft nur beherztes erneutes Schmieden, am bestem mit der Finne. Und nachträgliches Schweißen oder Löten.

Ja, Lot und Mokumé! Ich höre es schon: "Aber Mokumé ist doch fugenlos!"
Dennnoch empfehlen Schichtwerk und andere Mokumé-Designer die Blöcke mit Lot als Art Schraubzwinge zu umkleiden.
Ob da Lot auch in nicht verschweißte Blechfugen läuft? Bestimmt.
Ich löte gerne eine Schicht Lot (hart) auf die Enden der Blöcke. Auf die Seiten nicht so gerne, daß müßte ich es ja auch wieder abfeilen.

Lot hilft auch viel beim Aufdornen und Drehen der Ringe. Auch hier entstehen eben gerne kleine Risse, die eben irgendwie wieder gehalten werden müssen.

Aber was für Risse sind das vermutlich? ich denke, es sind oft keine schlechten Verbindungen, sondern Risse dicht neben den Verschweißungen, durch eine zu große Belastung. Ähnlich wie eine Schweißstelle im Stahl meist dicht neben der Schweißnaht reißt.
Und diese großen Belastungen kommen durch die unterschiedlich Verformbarkeit der Metalle.
Deshalb ist Kupfer/Silber so schön. Und Silber/500Palladium etwas tückisch. Also lieber bei Letzteren öfter zart glühen (auch nicht zu hieß, das mag das Silber wieder nicht) und in vielen kleinen Schritten.

So, das ist, was mir jetzt dazu eingefallen ist. Ob das metallurgisch Alles korrekt ist, weiß ich nicht. 8) Immerhin hoffe ich, daß es wenigstens verständlich ist.

Viele Grüße
Cynthia

PS auch aus dem Block auf dem Bild wurden später noch wunderschöne perfekte Trauringe.
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Tilo
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Tilo

 ·  #17
danke für den Praxiserfahrungsbericht
bei deiner Ofentheorie befürchte ich aber, daß 870 schon zu heiß ist und die Silberschichten zu stark erweicht werden
eigentlich soll es doch durch den Druck verschweißen
bei 870 dürfte das Silber dem Druck komplett nachgeben
machts ja beim Feurverschweißen auch, da aber unter Sichtkontrolle nur Minuten und nicht Stunden
ist aber meinerseits auch nur Vermutung
schmuckburg
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schmuckburg

 ·  #18
Hallo, Tilo!

Zu Sicherheit:
Ich beziehen mich auch in keinem Fall auf die Ofentemperaturen.

Es geht um die Überlegung, wann die Metalllegierungen zusammenpassen und wann nicht.
Und genannt hab ich Grenzwerte der Schmelzintervalle.

Und als Hinweis: Bei "meiner" Methode arbeite ich völlig ohne Druck, außer dem Schwergewicht.
:D

Manchmal denke ich, jeder der mit Mokumé Gane arbeitet, findet seinen eigenen Weg, dieses herzustellen. Und das ist auch gut so! Sonnst würden vielleicht alle Bleche gleich aussehen.

Beste Grüße
Cynthia
Heinrich Butschal
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Heinrich Butschal

 ·  #19
Die üblichen Gold und Silberlegierungen fressen sich bei leichtem Anpressdruck und einer hauchdünnen Zinnpastenzwischenlage schon bei Temperaturen um 400°C gegenseitig an und verbinden sich innerhalb einer halben Stunde vollständig. Mikroskopbilder zeigen das es sich um eine unlösbare Verbindung bei bei einer guten Hartlötung handelt, bei der Kristalle von der einen Schicht zur anderen gewandert sind.

Ich habe da mal in Vicenza einen Vortrag von der Gold Corporation dazu gehört, allerdings scheint sich diese Lötmethode nicht breitbandig durchgesetzt zu haben.

Für Mokume Gane kann man aber daraus ableiten das zwischen den Gold- und Silberhaltigen Legierungen unter Umständen auch eine feste Verbindung bei Temperaturen unterhalb des Solidus bei längerer Einwirkzeit und etwas Druck und bei Verwendung einer Zinnpaste sogar bei deutlich niedrigeren Temperaturen eine Verbindung zu schaffen wäre.

Die höherschmelzenden Metalle wie Palladium und Platin wäre erst einmal da aussen vor ausser, man experimentiert mit deren Legierungen mit viel Kupfer und Silberanteil.
Tilo
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Tilo

 ·  #20
eben
mein Favorit wäre ja eine Silber-Legierung mit 20...25% Pd, die die Farbe von Pd500 hat, aber die Verbindungseigenschaften näher den Gold-und Silberlegierungen (2Stoff sollte duktiler sein als mit noch Kupfer dabei und deshalb den AuAg-Legierungen ähnlicher)
bloß gibts die eben nirgends als Blech, sodaß man sie Amateuren nicht empfehlen kann
man könnte es nur dann selbst machen, wenn man Sauerstoff/Propan-Schmelzeinrichtung hat
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