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Demantoid – der Stein der Zaren


Ekkehard F. Schneider

Der Demantoid aus Russland ist  einer der schönsten, seltensten und teuersten Edelsteine der Welt.
Er gilt als der Lieblingsstein der russischen Zaren. Aber das ist es nicht, was ihn zu etwas besonderem macht. Vielmehr verhält es sich umgekehrt: es sind seine besonderen Eigenschaften, die ihn zum Lieblingsstein der Zaren machten.

Erst 1868 wurde der Demantoid im Ural entdeckt. Namhafte Juweliere, allen voran Fabergé, Tiffany`s und Cartier, standen im Wettstreit um die wenigen verfügbaren Demantoide. So kaufte Georg Kunz, Einkäufer für Tiffany`s und finanziert von J.P. Morgan, alle Demantoide auf, die er bekommen konnte.

Nach noch nicht einmal fünfzig Jahren, mit dem Ausbruch des ersten Weltkriegs und dann der bolschewistischen Revolution in Russland, nahm es auch mit dem Demantoid ein Ende. Jedenfalls vorerst.

Demantoide waren bald nur noch eine Legende, man sprach davon, hatte aber oft selber noch keinen gesehen. In wertvollen, alten Schmuckstücken (z.B. den berühmten Eiern von Fabergé) oder Sammlungen konnte man mitunter einen  russischen Demantoid zu Gesicht bekommen. Später entdeckte man auch Demantoide in anderen Ländern, diese können jedoch nicht an die feinen Steine aus dem Ural heranreichen.

Doch was ist eigentlich ein Demantoid und was macht seine Faszination aus?

Mineralogisch nüchtern betrachtet ist der Demantoid eine grüne, transparente Varietät des Andradit – einem Mitglied der Granatfamilie. Doch selbst und vor allem erfahrene Gemologen, Kenner der Materie, erleben beim Betrachten dieses leuchtenden Edelsteins Hochgefühle und Gänsehautmomente. Und das hat seinen guten Grund:

Die Leuchtkraft der Demantoide ist phantastisch. Selbst im Schatten versprüht der Demantoid sein Funkeln mit einer unglaublichen Kraft. Er scheint von innen her zu leuchten. Seine sehr hohe Lichtbrechung ist hierfür die Ursache. Daher auch sein Name: „Der Diamantähnliche“.

Bereits in der nächsten Disziplin übertrifft der Demantoid bereits seinen Namensgeber: sein Feuer, die Fähigkeit, das einfallende Licht in Spektral-farben zu zerlegen, ist sogar noch größer als beim Diamanten. Daher funkelt der Demantoid nicht nur in seinem wunderbaren Grün, es blitzen auch die Farben des Regenbogens auf, was sich besonders schön bei helleren Demantoiden beobachten lässt.

Dabei ist bereits seine eigentliche Farbe so bestechend, dass es einem den Atem nimmt. Verschiedene Grüntöne sind möglich. Am schönsten und wertvollsten ist ein intensives und reines Grün, das auch leicht ins Blaue gehen darf.

Dieses Zusammenspiel von Farbe, Feuer und Brillanz macht die unglaubliche Schönheit der russischen Demantoide aus. Das Wissen um seine Seltenheit, seine Geschichte und seine besonderen Eigenschaften vertiefen und festigen die Faszination, die bereits beim ersten Blick auf diesen Edelstein von diesem ausgeht. Und es kommt noch etwas hinzu:

Der Demantoid aus dem Ural – und nur dieser – birgt manchmal ein weiteres Geheimnis in sich: „Horsetails“ werden Sie genannt, die wunderschönen radialstrahlig oder fächerförmig angeordneten Einschlüsse aus Chrysotilfasern, die es nur in den Demantoiden aus Russland zu bewundern gibt. Dies sind Einschlüsse, die den Wert dieses Edelsteines sogar noch steigern können.

Mit der Auflösung der kommunistischen UDSSR war es wieder möglich, im Ural, dem Gebirge, welches Europa mit Asien verbindet, nach Demantoiden zu suchen. Bereits 1998 machte man einen größeren Fund, doch die Qualität dieser Steine war mittelmäßig. Denn natürlich ist auch nicht jeder gefundene russische Demantoid von allerfeinster Qualität.

2002 entdeckte man in der Nähe von Ekaterinenburg erneut den begehrten grünen Edelstein. Damit hatte man gleichzeitig die alte Mine aus der Zeit der Zaren wieder entdeckt!

Die Saison, in der nach Demantoiden gegraben werden kann, dauert nur drei bis vier Monate. Das Wetter und die Arbeitsbedingungen sind extrem in dem wilden und sumpfigen Waldgebiet. Feine und größere Demantoide werden kaum gefunden.

So bleibt der Demantoid aus Russland eine einzigartige Rarität. Die wenigsten geschliffenen Demantoide erreichen ein Gewicht von einem Carat oder darüber. Feine Demantoide über 1,5 Carat sind noch seltener, ab zwei Carat ist ein guter Demantoid aus dem Ural bereits kaum zu bekommen.

Einzelne Demantoide treten durch ihre Schönheit und Größe hervor, ähnlich wie man dies bei Diamanten und Rubinen kennt. Die schönsten jemals geschliffenen Demantoide sind wahrscheinlich zwei Steine von jeweils über zehn Carat, die ein Paar bilden. Perfekt geschliffen im Brillantschliff funkeln und leuchten sie mit einem Durchmesser von fast 13 Millimetern um die Wette und stellen all das dar, was der russische Demantoid zu bieten hat. Diese beiden Steine befinden sich im Besitz der Edelsteinschleiferei Ekkehard F. Schneider, Kirschweiler.

Fakten:

Lichtbrechung  1,880 – 1,889, keine Doppelbrechung, optisch isotrop

Dichte   3,77 – 3,88

Härte   6 ½ - 7

Kristallsystem  kubisch

„Horsetail“ fächerartig oder radialstrahlig angeordnete Chrysotilfasern als Einschlüsse im Demantoid aus Russland.

Kann im Erscheinungsbild einem Pferdeschwanz ähneln.

Ausschließlich in Demantoiden aus Russland (Ural) bekannt,
kommt in Demantoiden anderer Provenienzen nicht vor.

Chrysotil  faseriger Serpentin

www.efs-gems.com

Archivbeitrag 11.03.2010
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